Digitalisierung als Therapieadhärenz-Booster: Wissenschaftliche Evidenz gefragt

Die digitale Betreuung von Patienten ist ein aktuelles und kontrovers diskutiertes Thema in der Medizin. Durch die Verwendung von digitalen Technologien wie Smartphones und Tablets soll die Therapieadhärenz, also die Einhaltung der von Ärzten verordneten Therapie, verbessert werden. Insbesondere bei chronischen Erkrankungen ist mangelnde Therapieadhärenz ein großes Problem, da Patienten oft längere Zeit auf sich allein gestellt sind und die Einnahme von Medikamenten vergessen oder vernachlässigen können.

Digitale Betreuungsoptionen wie Erinnerungen an die Medikamenteneinnahme, die Selbstkontrolle von Krankheitssymptomen und die Möglichkeit, direkt mit dem behandelnden Arzt in Kontakt zu treten, sollen dazu beitragen, die Therapieadhärenz zu steigern. Dies wiederum kann zu einer verbesserung der Gesundheit der Patienten führen und somit Kosten für die Gesundheitsversorgung reduzieren.

Obwohl es einige Studien gibt, die die Wirksamkeit von digitaler Betreuung bei der Verbesserung der Therapieadhärenz unterstützen, gibt es auch Kritik an der mangelnden Evidenz und der fehlenden Kontrollgruppen in vielen Studien.

Digitale Betreuung hat das Potenzial, die Therapieadhärenz von Patienten zu verbessern – insbesondere bei chronischen Erkrankungen. Dies betonte Professorin Dr. Stefanie Läer beim Fortbildungskongress Pharmacon, wie die Zeitschrift „Pharmazeutische Zeitung“ berichtet. Sie sieht in mobilen und digitalen Technologien eine „riesige Chance“, um die Therapietreue zu steigern, etwa durch Erinnerungen an die Medikamenteneinnahme oder die Selbstkontrolle von Krankheitssymptomen. Doch was sagt die Evidenzlage zu diesem Thema?

Läer betonte, dass die Evidenz zu Therapiefortschritten durch digitale Anwendungen besonders bei Kinder und Jugendlichen dünn sei. Entsprechende Studien hätten häufig kleine Populationen und es fehle an einer Kontrollgruppe. Eine randomisierte und kontrollierte Studie an 39 Kindern mit Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) zeigte jedoch, dass die digitale Betreuung die Tabletteneinnahme steigern und den ärztlich ermittelten Verhaltens-Score signifikant verbessern konnte.

In einer weiteren Studie, die Läer vorstellte, wurden 46 Erwachsene nach einer Nierentransplantation über ein Jahr beobachtet. Die Interventionsgruppe wurde durch ein telemedizinisches Betreuungsteam begleitet, die Kontrollgruppe nicht. Das telemedizinische Betreuungsteam ließ sich täglich vom Patienten über die Tabletteneinnahme und den Gesundheitszustand informieren. Die Patienten konnten das Team zudem um Rat bitten und erhielten Unterstützung bei Problemen. Am Ende der Studie zeigte sich, dass die Interventionsgruppe eine höhere Therapieadhärenz aufwies als die Kontrollgruppe.

Es gibt also bereits erste Studien, die die positive Wirkung von digitaler Betreuung auf die Therapieadhärenz unterstützen. Zukünftige Studien sollten diese Ergebnisse jedoch bestätigen und die Evidenz weiter verstärken, um die digitale Betreuung als geeignetes Instrument in der Medizin zu etablieren.

Quelle: Pharmazeutische Zeitung

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