20130315-072455.jpgEs ist nicht der erste Ausflug der Firma Apple in den Gesundheitsmarkt. Schon in frühen Jahren hatte sich Apple auf den Radiologie-Bereich konzentriert und dort erfolgreich ihre Technologie in der Bildverarbeitung eingebracht. Und auch Steve Jobs hat in seinen letzten Tagen, so seine Biografie, im Krankenbett über Apple-Anwendungen im Healthcare-Bereich sinniert. Daher habe ich eigentlich schon länger auf ein stärkeres Engagement der Apfel-Company im medizinischen Bereich gewartet. Vor zwei Wochen nun haben die Jungs aus Cupertino ,in mitten vieler anderer Neuvorstellungen, das Healthkit vorgestellt. Unscheinbar wurde hier eine mächtige Straße geebnet. Denn Healthkit ist die erste Datenaustausch-Plattform für Wellness- und Gesundheitsdaten , welche in einem großen Betriebssystem für stationäre und mobile Rechner eingebettet ist. Statistik: Absatz von Apple iPhones weltweit in den Geschäftsjahren 2007 bis 2013 (in Millionen Stück) | Statista Quelle: Statista 150 Millionen Iphones sind im letzten Jahr abgesetzt worden – 150 000 000 potentielle Health-App – Benutzer! Wow! Die Health-App wird den Einstieg im Herbst 2014 mit dem neuen iOS8 machen. Apple selbst bezeichnet sie als das Dashboard für Fitness- und Gesundheits-Informationen.[4] Und schon jetzt sind einige Implikationen sichtbar.

Entwickler

Healthkit wird viele Entwickler dazu bringen, sich auf die Gesundheits-App-Weg zu begeben. Der Gesundheitsmarkt wird ja als zukunftssicher und lukrativ beschrieben. Der Gesundheits-IT wird dies sicher einen Schub versetzen. Dem Risiko für Anwender und Patienten aber auch. Es wird noch mehr Entwickler mit Halbwissen zu den regulativen Anforderungen für Medizinprodukte geben. Schon jetzt kann so manche Software nach ihrer Zweckbestimmung kritisch hinterfragt werden. Mit dem richtigen, umfassenden Wissen können aber auch höchst-innovative, neue und sichere Produkte entstehen.

Kliniken

Apple hat sogleich die erste Entwicklungspartnerschaft mit den Mayo-Kliniken und EPIC (einer der Marktführer der amerikanischen KIS) bekannt gegeben [1]. Ziel soll die Integration der persönlichen Gesundheitsdaten in das KIS sein, wenn sich ein Patient in die klinische Behandlung geben muss. Spannend wird hier sicherlich die Frage des Risikomanagement, Datenschutzes und der Datensicherheit!

KIS-Hersteller

Der Einfluss von Healthkit auf deutsche KIS-Hersteller wird vermutlich gering sein. Schließlich sind diese Hersteller schon seit Jahren bedacht, jegliche Funktionalitäten die den Anforderungen des Medizinproduktegesetzes unterliegen, zu vermeiden. Mit dem Healthkit würden die KIS-Systeme Gesundheitsdaten eines Patienten übernehmen, die dann vom Arzt interpretiert werden müssten. Er würde diese Daten das erste Mal im KIS repräsentiert bekommen und sich bei pathologischen Veränderungen in seiner Diagnostik-Entscheidung beeinflussen lassen. Ein Beispiel: Ein Patient überträgt via Healthkit seine Blutdruckwerte. In der Ambulanz ist sein Blutdruck normal, aber im Healthkit hat er täglich Spitzen von RR 200/120. Würde sich der Arzt nur auf den Blutdruckwert in der Ambulanz stützen? Sicher nicht! Er würde eine Bluthochdruck-Diagnostik einleiten. Diese Entscheidungsunterstützung zur Diagnostik  oder Therapie ist ein starkes Indiz, dass es sich bei solch einer  Software um ein Medizinprodukt im Sinnes des MPG (Medizinproduktegesetz) handelt.

Patienten / Nutzer

Wearables sind im Vormarsch und absolut im Trend. Es sind kleine Gesundheitstracker, die als Armbänder, Uhren oder Smartphone-Apps verschiedene Parameter seines Nutzers messen, speichern und grafisch darstellen. Von der Jogging-App über Schlaf-Tracker bis zum Schrittzähler, im Dezember 2013 nutzten bereits 9 Millionen Deutsche derartige Fitnesstracker [2]. Dabei werden die Anwender nachweislich zu gesunderem Verhalten, wie mehr Bewegung, motiviert.  Alle Daten werden protokolliert und in Fitness- bzw. Gesundheitstagebüchern dokumentiert. Diese Daten können durch permanent neue, auf den Markt kommende Geräte, ergänzt werden. Schon jetzt befinden sich auch Waagen, Blutdruck- und Blutzuckermeßgeräte für Smartphones bei vielen Heimanwendern in der Nutzung. Mit der rasanten Entwicklung der LOC’s werden künftig auch weitere Laborparameter am Küchentisch gemessen werden können. Sollen alle diese Daten nur der Selbstvermessung der Anwender nutzen oder können diese auch im klinischen Kontext zur Vorsorge oder Behandlung des Anwenders genutzt werden?

Ärzte

Deutsche Ärzte stehen den Wearables eher skeptisch gegenüber. „Kein Arzt würde seinem Patienten eines dieser Gadgets für Selbstvermessung verschreiben“, sagt Tobias Neisecke.[3] Er ist selbst Arzt und bloggt zu Themen der Medizin und neue Medien. Zu oberflächlich und invalide wären die Messergebnisse, da die Geräte für den Heimbereich gedacht sind. Das ist derzeit sicher noch häufig so, dennoch zeigen diese Geräte einen nicht zu ignorierenden Trend in den Gesundheitsdaten. Herzfrequenz-, Blutdruck- oder Blutzucker-Spitzen können auch im Heimbereich nicht ignoriert werden. Aber auch hier wird klar, dass diese Geräte und Apps nur dann ernsthaft von Ärzten genutzt und in den klinischen Systemen integriert werden, wenn die Hersteller diese als Medizinprodukt in den Verkehr bringen.

Fazit

Mit Healthkit wird Apple sicher das Geschäft der Fitness- und Gesundheits-IT beleben. Hier werden viele Fitness-Apps mit spannenden Funktionalität in den App-Store kommen. Dennoch wird man sicher auch zunehmend die Grenzen zum Medizinprodukt überschreiten. Mit zu zunehmender Verbreitung dieser Wearables als Medizinprodukt, wird auch die Akzeptanz für den klinischen Gebrauch solcher häuslicher Daten steigen. Ein spannendes neues Feld eröffnet sich hier für die MIT, aber auch für die Forschung. Update 15.06.14  – 20:00 Uhr: Auch Google hat nun eine Health-Tracking-Plattform angekündigt. Unter dem Namen „Google Fit“ wird der Suchmaschinen-Riese den Wettbewerb zu Apple einläuten. [5]          Danke SH für den Hinweis! Quellen: [1] https://www.linkedin.com [2] http://www.bitkom.org [3] http://www.golem.de [4] https://www.apple.com [5] http://www.engadget.com

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