Digitale Isolation: Was, wenn US-Tech morgen ausfällt? | Sanas mutiger Schritt | Echte Souveränität statt Buzzword-Bingo 💡
Ein Gedankenspiel mit ernstem Hintergrund
Letzte Woche hatten wir eine hitzige Diskussion. Das Thema: die Zukunft der Klinik-IT. Irgendwann wurde es mir zu bunt. Also habe ich den Finger in die Wunde gelegt und die eine provokante Frage gestellt: „Was passiert eigentlich, wenn wir morgen keine Lizenzen, Technologien und Cloud-Services mehr aus den USA oder China nutzen dürften?“ Die Reaktion war betretene Stille. Kein Notfallplan, keine Alternative, nur die vage Hoffnung, dass es schon nicht so weit kommen wird.
Diese Stille ist keine Ruhe, sondern die Lähmung vor einer absehbaren Krise. Wir steuern sehenden Auges auf eine digitale Abhängigkeit zu, die das Fundament unserer Gesundheitsversorgung erodiert. Diese Abhängigkeit ist keine theoretische Gefahr, sondern ein massives strategisches Risiko für das deutsche Gesundheitswesen.
Das Schreckensszenario: Digitaler Stillstand in deutschen Kliniken? 🏥
Machen wir uns nichts vor: Die Abhängigkeit von außereuropäischen Anbietern, den sogenannten „Hyperscalern“ (den globalen Cloud-Giganten wie AWS, Microsoft Azure oder Google Cloud), ist bereits enorm. Wir haben zentrale Teile unserer kritischen Infrastruktur ausgelagert, oft ohne einen Plan B. Ein plötzlicher Entzug von Lizenzen oder der Zugang zu Cloud-Plattformen wäre kein kleines IT-Problem.
Was bedeutet das konkret? Operationspläne sind nicht abrufbar. Radiologiebilder für die Notfalldiagnostik laden nicht. KI-Systeme schweigen. Das ist kein IT-Problem, das ist ein direkter Eingriff in die Patientensicherheit am Bett. Wenn Konzerne wie die Sana Kliniken heute aktiv damit beginnen, ihre Abhängigkeit von globalen Hyperscalern zu reduzieren, zeigt das, wie tief das Problem sitzt. Es geht hier nicht um eine technische Spielerei, sondern um die Resilienz unserer gesamten Gesundheitsversorgung.
Die Zeit des Hoffens ist vorbei. Wir brauchen eine klare strategische Antwort. Diese Antwort heißt digitale Souveränität.
Digitale Souveränität: Das Gegengift zum Vendor Lock-in 🇪🇺
Digitale Souveränität ist mehr als ein Buzzword – es ist das Gegengift zum Vendor Lock-in und der Schlüssel zu einer zukunftsfähigen, resilienten IT-Strategie. Es bedeutet, die Kontrolle über unsere eigenen Daten und digitalen Prozesse zurückzugewinnen und zu behalten. Doch was heißt das konkret im Gesundheitskontext?
Ein souveräner Cloud-Anbieter wie STACKIT definiert das klar. Es geht um nachweisbare Kriterien, die den Unterschied machen:
- Datenhoheit und Standort: Alle sensiblen Gesundheitsdaten werden ausschließlich in STACKIT-Rechenzentren in Deutschland und Österreich gespeichert und verarbeitet. Das garantiert 100 % DSGVO-Konformität und schützt vor dem Zugriff Dritter.
- Krisensicherheit: Die Infrastruktur muss unabhängig von geopolitischen Spannungen und außereuropäischen Gesetzen funktionieren. Die Versorgungssicherheit darf nicht von politischen Entscheidungen in Washington oder Peking abhängen.
- Kein Vendor Lock-in: Echte Souveränität erfordert offene Standards und interoperable Technologien. Nur so bleiben Kliniken flexibel und können ihre Daten jederzeit zu einem anderen Anbieter oder zurück ins eigene Rechenzentrum verlagern.
- Garantierte Sicherheit: Transparenz ist entscheidend. Zertifizierungen nach höchsten Standards wie ISO27001 und C5 sowie robuste Cyber-Security-Lösungen sind keine Option, sondern eine Notwendigkeit.
Das ist kein IT-Kleinkram für den Technik-Report. Das sind die strategischen Grundpfeiler, die über unsere künftige Handlungsfähigkeit entscheiden. Und das Beste: Es gibt bereits Pioniere, die diesen Weg konsequent gehen.
Die Pioniere sind da: Wie europäische Lösungen die Lücke schließen
Die Vision einer souveränen digitalen Gesundheitsversorgung ist keine Zukunftsmusik. Echte Souveränität entsteht nicht durch ein einziges Tool, sondern durch das intelligente Zusammenspiel zweier entscheidender Ebenen: der souveränen Infrastruktur als Fundament und den interoperablen Anwendungen als Wertschöpfer.
1. Auf der Infrastruktur-Ebene: Die Partnerschaft zwischen den Sana Kliniken und STACKIT ist hier ein wegweisendes Signal. Sana hat erkannt, dass digitale Souveränität ein strategisches Asset ist. Sie bauen eine autarke, hochsichere Cloud-Umgebung auf und verlagern zentrale Bausteine wie ihre neue Klinikplattform zur sicheren Kommunikation zwischen KIS und der Telematikinfrastruktur, gezielt in die STACKIT Cloud. Das ist kein reiner Hoster-Wechsel, sondern eine bewusste Entscheidung für mehr Resilienz und Kontrolle.
2. Auf der Anwendungs- und Datenebene: Doch eine sichere Infrastruktur allein ist nur die halbe Miete. Die wahre Freiheit entsteht erst auf der nächsten Ebene – der Datenebene. Denn was nützt uns ein sicheres Fundament, wenn die Daten darauf in proprietären Silos gefangen sind? Standards wie HL7® FHIR® sind hier der absolute Gamechanger, weil sie wie ein universeller Übersetzer zwischen den Systemen agieren und es erstmals ermöglichen, klinische Daten, Pflegedokumentation und sogar Bilddaten in einer einheitlichen Sprache fließen zu lassen.
Ein perfektes Beispiel ist die Dokumentationsplattform careIT von nursIT. Sie wurde für die strukturierte, multiprofessionelle Dokumentation direkt am Point of Care – also am Patientenbett – entwickelt und basiert konsequent auf FHIR. Die Daten landen in einem Clinical Data Repository (CDR) und sind damit systemübergreifend nutzbar – für die Versorgung, aber auch für die Forschung.
3. Betriebssysteme und Hardware: Ein sicher noch deutlich schwierigeres Thema, wäre die Bereitstellung von europäischen Betriebssystemen, Datenbanksystemen und Hardware. Hier wäre auch eine konsequente Entwicklung von europäischen Alternativen notwendig.
Das Zusammenspiel ist entscheidend: Eine souveräne Infrastruktur wie STACKIT bildet das sichere Fundament. Europäische Betriebs- und Datenbanksysteme und Hardware erweitert dieses Fundament. Darauf aufbauend schaffen interoperable Anwendungen wie careIT und careIT Vibe auf Basis offener Standards ein digitales Ökosystem, in dem wir die Kontrolle behalten.
Quellen:
Mein Fazit und deine Meinung?
Für mich sind die strategischen Learnings klar und unmissverständlich:
- Souveränität ist Risikomanagement: Die Abhängigkeit von außereuropäischen Hyperscalern ist eine strategische Schwachstelle, die wir aktiv adressieren müssen, um die Resilienz unserer Gesundheitsversorgung zu sichern.
- Europäische Alternativen sind marktreif: Starke deutsche und europäische Anbieter wie STACKIT und nursIT beweisen, dass souveräne Lösungen leistungsfähig, skalierbar und praxiserprobt sind. Die Ausrede „es gibt ja keine Alternativen“ zählt nur bedingt.
- Offenheit ist der Schlüssel: Echte Unabhängigkeit entsteht erst durch den konsequenten Einsatz offener Standards wie HL7® FHIR®. Nur sie befreien uns aus dem Würgegriff proprietärer Systeme und schaffen eine zukunftsfähige Datenbasis.
Digitale Souveränität ist damit keine technologische Option mehr, sondern die strategische Grundlage für ein widerstandsfähiges, innovatives und vor allem selbstbestimmtes Gesundheitswesen in Europa.
Was denkt ihr? Wo liegen die größten Hürden für digitale Souveränität in euren Organisationen – bei der Technik, den Kosten oder doch im Mindset? Ich freue mich auf eure Kommentare! 👇